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Wie übe ich richtig Klavier? Teil 2: Der produktive Umgang mit Fehlern

  • Autorenbild: Richard Ilya Tauber
    Richard Ilya Tauber
  • 10. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Juli


Wer ein neues Stück am Klavier erlernt, kennt dieses Phänomen nur zu gut: Man gleitet wunderbar durch die ersten Takte, doch plötzlich gerät der Spielfluss ins Stocken. Man stolpert über eine knifflige Passage, vergreift sich im Ton oder verliert den Rhythmus. Wenn sich dieser Moment an derselben Stelle immer und immer wiederholt, macht sich schnell Frust breit. Man hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten.


Doch der systematische Erfolg am Instrument entscheidet sich nicht dadurch, ob wir Fehler machen – sondern wie wir mit ihnen umgehen. In diesem zweiten Teil unserer Serie (basierend auf meiner Unterrichtspraxis an der mdw sowie den wegweisenden Ansätzen von Einfach üben“ von Gerhard Mantel und „Üben – was ist das eigentlich?“ von Francis Schneider* betrachten wir Fehler nicht als Feinde, sondern als präzise Navigationshilfen. (*Hinweis: Bei den Links handelt es sich um Amazon-Partnerlinks. Wenn Sie darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie bleibt der Preis gleich.)


Dazu müssen wir im ersten Schritt verstehen, mit welcher Art von Fehler wir es überhaupt zu tun haben.


Die zwei Gesichter des Fehlers am Klavier


Beim Einstudieren eines Musikstücks begegnen uns im Wesentlichen zwei völlig unterschiedliche Typen von Spielfehlern. Sie benötigen jeweils eine komplett andere Behandlungsstrategie:


1. Der „Flüchtigkeitsfehler“ (Die Kennenlern-Phase)


Diese Fehler passieren meistens, weil Sie mit einer Passage schlichtweg noch nicht intim genug vertraut sind. Das Gehirn und die Finger tasten sich noch durch das Neuland.


  • Die Lösung: Hier reicht in der Regel eine bewusste, konzentrierte Block-Wiederholung (etwa fünf Durchläufe) aus, um die Stelle zu festigen.

  • Die goldene Regel im Moment des Fehlers: Wenn Ihnen ein solcher Fehler beim Durchspielen passiert, brechen Sie nicht panisch oder frustriert mitten im Takt ab! Spielen Sie die Phrase kontrolliert zu Ende. Erst danach halten Sie inne, isolieren die Problemstelle und verbessern sie ganz gezielt im Detail. Wer bei jedem falschen Ton sofort stoppt, trainiert sich ein permanentes „Hoppala-Gefühl“ und einen stockenden Spielfluss an.


2. Der „manifestierte Fehler“ (Die eingeübte Falle)


Dies ist der weitaus tückischere Fehler-Typ. Er entsteht, wenn wir eine Passage unkonzentriert oder schlicht zu oft falsch wiederholt haben. Unser Muskelgedächtnis ist unbarmherzig: Es speichert den falschen Ton oder den falschen Fingersatz mit derselben Präzision ab wie die richtige Bewegung. Sie haben den Fehler quasi fehlerfrei „eingeübt“.


  • Die Lösung: Hier hilft blindes Weiterspielen überhaupt nichts mehr. Der Fehler muss präzise seziert werden. Wir müssen das Tempo drastisch drosseln, die Bewegung analysieren, den optimalen Fingersatz neu definieren und diesen im extremen Zeitlupentempo neu in die Synapsen einbrennen.


Aus Fehlern lernen: Der Fehler als wertvoller Wegweiser


Allzu oft neigen wir dazu, Fehler als persönliches Scheitern oder mangelndes Talent zu interpretieren. Ein fataler Irrtum! Allgemein sollten wir Fehler als neutrale, extrem wertvolle Orientierungshilfen betrachten.

Ein Fehler ist nichts anderes als eine präzise Information Ihres Gehirns, die besagt: „Hier habe ich den Bewegungsablauf oder den logischen Zusammenhang noch nicht vollständig verstanden.“

Gerade im Anfangsstadium ist das geschulte, unmittelbare Feedback im Klavierunterricht so essenziell. Es sorgt dafür, dass sich Fehler gar nicht erst im Gedächtnis einnisten können.


Den Blickwinkel weiten: Was passiert davor?


Wenn eine Stelle hakt, machen die meisten Schüler den Fehler, nur das eine „falsche“ Sechzehntel zu betrachten. In meiner Praxis gehen wir das Problem strategischer an: Wir analysieren den gesamten Kontext. Oft liegt die eigentliche Ursache für das Stolpern nicht an der Problemstelle selbst, sondern ein bis zwei Takte davor. Ein ungünstiger Lagenwechsel, ein unvorbereiteter Daumenuntersatz oder eine unbemerkt aufgebaute Muskelanspannung im Takt zuvor bricht uns erst Sekunden später das Genick. Indem wir das Problem in einen größeren Bogen stellen, löst es sich oft wie von selbst auf.


Ausblick auf Teil 3


Im dritten und letzten Teil unserer Serie widmen wir uns der mentalen Komponente: Wie wir die Angst vor dem Verspielen abbauen, wie uns mentales Üben ohne Tastatur voranbringt und wie wir das Gelernte im Konzertmoment sicher abrufen können.


Literatur-Empfehlungen für effizientes Üben


Wenn Sie tiefer in die faszinierende Psychologie und Praxis des Instrumentalübens eintauchen möchten, empfehle ich Ihnen die beiden Standardwerke, die mich auch in meiner täglichen Arbeit inspirieren:


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