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Aufnahmeprüfung Klavier & Dirigieren: Was erwartet Sie beim Musikstudium?

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Der Weg zu einem Musikstudium in Österreich führt immer über eine Aufnahmeprüfung. Universitäten wie die mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, die Bruckneruni Linz, die Kunstuniversität Graz oder das Mozarteum Salzburg gelten als international renommiert und setzen hohe Standards. Entsprechend anspruchsvoll und mehrstufig sind die Prüfungsverfahren. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, was Sie bei den Aufnahmeprüfungen in den beiden zentralen Studienrichtungen Klavier und Dirigieren erwartet – von Repertoireanforderungen bis hin zu Theorie, Gehörbildung und künstlerischer Persönlichkeit.


Warum es Aufnahmeprüfungen gibt


Musikuniversitäten prüfen Bewerbende umfassend, um ihre technische Reife, musikalische Ausdruckskraft, künstlerische Identität und ihr Entwicklungspotenzial einzuschätzen. Die mdw nennt als zentrale Kriterien: musikalische Gestaltung, technische Fertigkeiten, Werkverständnis und stilistische Differenzierung. Die Prüfungen gehören zu den schwersten in Österreich und können mehrere Stufen umfassen.


Aufnahmeprüfung Klavier: Repertoire & Anforderungen


Wer sich auf eine Aufnahmeprüfung im Fach Klavier vorbereitet, benötigt ein Programm, das die wichtigsten Epochen der Klavierliteratur abdeckt und technische wie musikalische Fähigkeiten überzeugend präsentiert. Die folgenden Werkgruppen orientieren sich an typischen Anforderungen führender Musikuniversitäten und geben eine realistische, vollständige Orientierung, was Prüfer*innen hören möchten.


Barock – polyphone Kontrolle & klare Artikulation

Der Barock gilt als Grundpfeiler jeder Aufnahmeprüfung, weil hier Stimmführung, Strukturverständnis und stilistische Präzision sichtbar werden. Typische Beispiele:

  • Präludium und Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier (J. S. Bach)

  • Französische/Englische Suiten oder Partiten (Bach)

  • Händel‑Suiten

  • Zwei Scarlatti‑Sonaten


Klassik – Formgefühl, Transparenz & Klangkultur

Die Klassik zeigt, ob Bewerber*innen klassische Formprinzipien, Phrasierung und klangliche Ausgewogenheit beherrschen. Beliebte Werke:

  • Haydn: komplette Sonaten

  • Mozart: Sonaten oder Variationswerke

  • Beethoven: Sonaten (oft 1. Satz), ausgewählte Variationen


Romantik – Ausdruckskraft & musikalische Persönlichkeit

Die Romantik ist zentral, weil sie Interpretation, Klangfantasie und Ausdrucksreife zeigt. Geeignete Stücke:

  • Schumann: Arabeske, Novelletten, Kinderszenen

  • Chopin: Nocturnes, Walzer, Polonaisen, Mazurken

  • Brahms: Balladen, Rhapsodien

  • Schubert: Impromptus, Sonatensätze


Moderne / Impressionismus / zeitgenössische Musik – Rhythmik & Klangsprache

Dieser Bereich prüft moderne Klangvorstellung, rhythmische Präzision und interpretatorische Offenheit. Typische Werke:

  • Debussy: Deux Arabesques, Children’s Corner, Préludes

  • Bartók: Tänze in bulgarischen Rhythmen

  • Ligeti: Capriccios, Musica Ricercata

  • Boulez: Douze Notations

  • Auerbach: 24 Préludien


Etüde – technische Souveränität & Virtuosität

Eine Etüde ist in fast allen Aufnahmeprüfungen Pflicht, da sie Technik, Geläufigkeit und Bewegungsökonomie zeigt. Typische Wahl:

  • Chopin: Etüden op. 10 oder op. 25

  • Liszt: Etüden (z. B. frühe Etüden op. 1)

  • Moszkowski: op. 72

  • Chaminade: Études de concert

  • Czerny, Cramer, Clementi


Was die Kommission wirklich hören möchte

Obwohl jedes Programm anders ist, bewertet die Kommission im Kern:

  • technische Kontrolle

  • musikalische Gestaltung

  • stilistische Sicherheit

  • Verständnis von Form & Struktur

  • künstlerische Persönlichkeit

  • Entwicklungspotenzial

Diese Kriterien decken sich mit den offiziellen Bewertungspunkten der mdw‑Zulassungsprüfungen.


Aufnahmeprüfung Dirigieren: Was erwartet Sie hier?


Studiengänge wie „Dirigieren“ oder „Music Conducting“ setzen andere Schwerpunkte als das Klavierstudium. Typische Bestandteile einer Dirigier-Aufnahmeprüfung sind:


Instrumentales Vorspiel

Viele Hochschulen verlangen ein instrumentales Haupt- oder Nebenfach - häufig Klavier. Dies dient dem Nachweis einer soliden musikalischen und technischen Basis.


Dirigieraufgaben

  • einfache Schlagfiguren (2/4, 3/4, 4/4, ggf. komplexere Metren)

  • Dirigieren kurzer Werke oder Auszüge (meist aus Klassik oder Romantik)

  • Reaktion auf Änderungen und Hinweise der Kommission


Partiturlesen & Analyse

  • Lesen orchestraler Partituren (transponierende Instrumente!)

  • Verständnis von Form, Harmonik, Struktur

  • Analyse kurzer, vorbereiteter Partiturstellen

 

Gehörbildung & Theorie

Zwingender Bestandteil fast aller Hochschulen: Elementare Gehörbildung, Dreiklänge & Septakkorde, einfache Melodie‑/Rhythmusdiktate, Musiktheorie-Grundlagen.


Gespräch mit der Kommission

Motivation, Vorbildung, musikalische Ziele. Viele Universitäten nutzen ein mehrstufiges Verfahren – oft mit Video‑Vorauswahl, Vorspiel, Theorieprüfung und Gespräch, ähnlich wie beim Klavierstudium.


Gerade im Fach Dirigieren ist die Kombination aus eigener instrumentaler Kompetenz und dirigiertechnischer Erfahrung entscheidend. Viele Studierende lassen sich im Vorfeld der Prüfung von erfahrenen Dirigentinnen coachen, um Schlagtechnik, Partiturlesen und musikalische Interpretation gezielt zu verfeinern.


Wie schwer ist die Aufnahmeprüfung?


Die Prüfungen zählen zu den anspruchsvollsten im deutschsprachigen Raum. Kommissionen suchen nicht nur Perfektion, sondern auch:

  • Entwicklungspotenzial

  • künstlerische Persönlichkeit

  • stilistische Flexibilität

  • musikalisches Verständnis

Die mdw betont diesen Mittelpunkt in ihren Kriterien zur Klavier-Zulassungsprüfung.


Tipps für eine erfolgreiche Vorbereitung


  • Früh beginnen – ideal 6–12 Monate vorher: Gerade ein mehrteiliges Programm braucht Zeit zum Reifen.

  • Programm stilistisch breit wählen: Zeigen Sie unterschiedliche Klangwelten & Ausdrucksformen.

  • Vor Publikum spielen: Üben Sie Vorspielsituationen - ein häufiger Grund fürs Scheitern ist Nervosität.

  • Theoriewissen strukturiert aufbauen: Kadenzen, Intervalle, Skalen, Dreiklänge - das ist prüfungsrelevant.

  • Partiturlesen üben (für Dirigieren!): Regelmäßig transponierende Instrumente lesen & analysieren.

  • Feedback durch professionelle Musiker*innen: Kleine technische Fehler oder stilistische Unsicherheiten fallen Laien nicht auf – aber der Jury sehr wohl.


Viele Bewerbende profitieren in dieser Phase von einer gezielten, professionellen Vorbereitung, bei der Programmwahl, Technik, Stilistik, Gehörbildung und Prüfungsstrategie individuell abgestimmt werden. Als erfahrene Lehrperson mit Hochschulhintergrund begleite ich seit vielen Jahren Schüler*innen auf dem Weg zu Aufnahmeprüfungen in den Fächern Klavier und Dirigieren.


Wer sich optimal auf eine Aufnahmeprüfung vorbereiten möchte – sei es im Hauptfach Klavier oder Dirigieren – profitiert erfahrungsgemäß von individueller Begleitung. Eine gezielte Vorbereitung, die technische, musikalische und mentale Aspekte berücksichtigt, erhöht die Erfolgschancen deutlich.



 
 
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